Vertriebsbeschränkungen Verbote verbieten

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Eine europaweite Umfrage belegt: Tausende Online-Händler stehen vor der Insolvenz – über 10.000 Unternehmen mussten bereits Mitarbeiter entlassen. Vertriebsbeschränkungen der Hersteller und Markenartikler machen ihnen das Leben schwer.

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Die Zukunft des Online-Handels ist bedroht. Eine von „Choice in eCommerce – der Initiative für Vielfalt und Innovation im Online-Handel“ im Auftrag des Bundesverbandes Onlinehandel (BVOH) durchgeführten Umfrage belegt, dass tausende kleiner und mittelständischer Online-Händler in Deutschland und anderen europäischen Ländern vor dem Aus stehen. Ihre Existenz steht auf dem Spiel, weil sie Opfer wettbewerbswidriger Verhaltensweisen von Herstellern und Markeninhabern sind. Laut Studie verzeichnet allein in Deutschland rund ein Fünftel der Online-Händler aufgrund dieser Beschränkungen einen jährlichen Verlust von mehr als 25 Prozent. Fast 50 Prozent der deutschen Web-Händler beklagen sich über Umsatzverluste durch Herstellerbeschränkungen. Vor allem die Verbote, auf Online-Marktplätzen zu verkaufen, nehmen 12 Prozent der befragten Online-Händler den wichtigsten Vertriebskanal. Mehr als 10.000 Unternehmen mussten bereits Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter entlassen, so eine BVOH-Schätzung.

Solche Vertriebsbeschränkungen, und auch illegale, sind laut BVOH heute in der Europäischen Union weit über alle Sortimentsbereiche verbreitet. Sie machen den Online-Händlern, die ohnehin in einem grenzüberschreitenden Wettbewerb stehen, das Leben schwer. Fast 2.000 Hersteller und Marken, die – branchenübergreifend – den Verkauf via Internet untersagen oder behindern, wurden in der Umfrage von den Händlern benannt. Ganze 29 Prozent der genannten Marken sprechen sogar Marktplatzverbote aus.

Deshalb fordert der BVOH von der Politik die Stärkung der Wettbewerbsbehörden und ein entschlossenes Vorgehen gegen den grassierenden Missstand der wettbewerbswidrigen Vertriebsbeschränkungen, unter denen besonders kleine und mittelständische Online-Händler leiden. Das Internet dürfe nicht zum exklusiven Spielfeld von Handelsriesen und Großkonzernen werden, sondern müsse für KMU offen bleiben. Denn die Vielfalt des Handels lebe gerade von den Einfällen und Investitionen der kleinen und mittelständischen Unternehmer, so der Verband. „Die Politik muss jetzt handeln, denn leider können die Wettbewerbsbehörden, wie das Bundeskartellamt, wegen fehlender personeller Ressourcen das Problem nur unzureichend anpacken“, heißt es beim BVOH. Die Wettbewerbsbehörden müssten so gestärkt werden, dass sie wirksam gegen vertikale Beschränkungen einschreiten könnten. Strafen gegen das Vergehen müssten für die Unternehmen und deren Verantwortliche spürbarer werden. Das würde nicht zuletzt den Verbraucherinnen und Verbrauchern nützen. Natürlich sehen das die übrigen Protagonisten im Markt anders. Hier diskutiert Elmar Keldenich (Bundesverband Parfümerie) mit Oliver Prothmann (BVOH).

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