Digitalisierung Gabriels Agenda

Sigmar Gabriel hat sich viel vorgenommen. Zum Start der G20-Präsidentschaft ist es vor allem die Digitalisierung, die ihn umtreibt. Deutschland liegt im europäischen Vergleich mit dem flächendeckenden Internet nur auf Platz 9 – und so gibt es viel zu tun für den Bundeswirtschaftsminister. Auch in Sachen Handel. Da passte es bestens, dass die von Gabriel ins Leben gerufene Dialogplattform Einzelhandel, die die Stakeholder des Handels zu fünf unterschiedlichen Themen an einen Tisch brachte, zum Workshop-Schwerpunkt Digitalisierung Handlungsempfehlungen für einen erfolgreichen Handel in der (digitalen) Zukunft abgeleitet hat.

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Die Diskutanten aus Handel, Verbänden, Dienstleistern und Politik haben sich ausführlich mit den Rahmenbedingungen für den Einsatz von Multi-Channel- bzw. Cross-Channel-Konzepten sowie den damit verbundenen Herausforderungen auseinandergesetzt. Ihr Ansatz: das „Silo-Denken“ aufbrechen. Digitalisierungsstrategien müssten konsistent und konsequent durchgesetzt, die Organisations-, Personal- und IT-Entwicklung berücksichtigt und alle Maßnahmen regelmäßig überprüft werden, meinen die Workshop-Teilnehmer. Dafür sei es erforderlich, dass das sogenannte „Silo-Denken“ im Unternehmen aufgebrochen werde und das Erreichen von „Kanalexzellenz“, also die bestmögliche Ausgestaltung eines Vertriebskanals, an erster Stelle stehe, so die Teilnehmer im Ergebnisbericht des IFH Köln, das als Ansprechpartner im Workshop-Prozess diente und das Projekt auf prozessualer sowie analytischer Ebene koordinierte.

Doch sie kommen auch mit Forderungen an die Politik – und rannten damit bei Gabriel sicher offene Türen ein. In der globalen Digitalgesellschaft müssten die Rahmenbedingungen endlich angepasst werden, so das Anliegen. „Aktuell erschweren nicht mehr zeitgemäße Rahmenbedingungen, die beispielsweise die Cloud-Nutzung, Preisangaben, das Kartellrecht oder den Fernabsatz betreffen, die konsequente Implementierung von Cross-Channel-Systemen“, fasst das IFH Köln zusammen. „Regelungen in diesen Bereichen sind teilweise überholt und müssen entsprechend der neu entstandenen, globalen Digitalgesellschaft angepasst werden.“ Entsprechend fordern die Workshop-Teilnehmer eine verbesserte flächendeckende digitale Infrastruktur. Der deutschlandweite Ausbau des Mobilnetzes sowie des Breitband-Glasfasernetzes habe Priorität, damit ein reibungsloser Informations- und Kommunikationsfluss gewährleistet werden könne. Die Workshop-Teilnehmer sehen hierfür vor allem den Staat als zentralen „Treiber der Digitalisierung“ in der Pflicht. „Der gesamte Handel kann von neuen Chancen profitieren. Dafür sind die Händler aber auf ein zuverlässiges, schnelles Internet angewiesen“, hatte HDE-Präsident Josef Sanktjohanser schon auf dem Deutschen Handelskongress 2016 betont. „Beim Breitbandausbau jedoch droht Deutschland im internationalen Umfeld den Anschluss zu verlieren. Der Glasfaserausbau muss beschleunigt werden, Klein- und Mittelstädte sowie der ländliche Raum müssen dabei Vorrang haben.“

Wer mehr wissen will, dem sei zum Nachlesen sehr empfohlen: Der Bericht mit dem Titel „Zukunftssicher mit Cross-Channel-Handel“ steht ab sofort auf der Website der Dialogplattform Einzelhandel (www.dialogplattform-einzelhandel.de) zur Verfügung.

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