Arbeitszeugnisse Versteckte Botschaften

Bei der Auswahl eines neuen Mitarbeiters sind die vorgelegten Arbeitszeugnisse eine wichtige Informationsquelle. Zu bedenken ist dabei aber, dass in den Beurteilungen nicht immer Klartext geredet wird. Es ist deshalb zu prüfen, ob sich zwischen den Zeilen versteckte Botschaften verbergen. Um einem Bewerber nicht voreilig Unrecht zu tun, sollten Auffälligkeiten aber zunächst nur Anlass zum genaueren Hinterfragen sein.

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Auch wer selbst ein Zeugnis erstellen muss, sollte die feinen Nuancen der Bewertungstechnik kennen. Dabei geht es auch darum, einem ausscheidenden Mitarbeiter nicht unbeabsichtigt den Neubeginn in einer anderen Firma zu erschweren. Nachfolgend finden Sie zur Orientierung, wie Personalexperten bestimmte Formulierungen und Beschreibungen interpretieren.

  1. Arbeitsbeschreibung: Es wird lediglich mit allgemeinen Floskeln gearbeitet. Konkrete Fakten zu Aufgabenbereich, Einsatz und individuelle Vorzüge des Mitarbeiters fehlen. Das bedeutet oft: Der Bewerber ist bestenfalls durchschnittlich und zeigt kein besonderes Engagement.
    Tipp: Wer hier eindeutige Tendenzen erkennen will, muss mehrere Zeugnisse zu Rate ziehen --
  2. Austritt: Hier sollte stehen "Herr/Frau ... verlässt uns auf eigenen Wunsch". So zeigt unmissverständlich, dass der Mitarbeiter von sich aus gekündigt hat. Hinter einer "einvernehmlichen Trennung" steckt dagegen oft ein Aufhebungsvertrag. Einem solchen liegen oft Differenzen zugrunde.
    Maßnahme: Unaufdringlich im Gespräch versuchen, etwas über die Gründe zu erfahren --
  3. Dank/Zukunftswünsche: Ein Arbeitgeber, der dem ausscheidenden Mitarbeiter im Zeugnis keinen Dank ausspricht, sein Weggehen nicht bedauert und/oder keine positiven Wünsche für seine berufliche Zukunft äußert, ist möglicherweise verärgert und trennt sich im Unguten von ihm. Beachten Sie: Dieser Punkt ist zwar kein zwingender Hinweis auf Streitigkeiten. Nach dem Bundesarbeitsgericht haben Mitarbeiter keinen Anspruch auf eine Dankesklausel im Zeugnis, so dass das Fehlen durchaus auf eine bloße Nachlässigkeit des früheren Arbeitgebers zurückzuführen sein kann.
    Reaktion: Auch hier vorsichtig einhaken und die Reaktion des Bewerbers genau beobachten --
  4. Datum des Endzeugnisses: Liegt der Zeitpunkt der Ausstellung des Zeugnisses deutlich vor dem formellen Ende des Arbeitsverhältnisses, ist von einer Freistellung oder Beurlaubung des Bewerbers auszugehen. Die Gründe dafür sollten unbedingt herausgefunden werden. Schlimmstenfalls hat der alte Arbeitgeber gekündigt oder wollte den Arbeitnehmer schnellstens loswerden.
    Vorgehen: Den Bewerber offensiv darauf ansprechen und auf einer Erklärung bestehen --